Fredo Burmester - R.I.P. | Juan Maria Solare
Erinnerungen an Fredo
Fredo Burmester - R.I.P. | Juan Maria Solare
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Juan María Solare composer & pianist
Juan Maria Solare - composer and pianist. Foto: Lea Dietrich
Copyright © Juan María Solare 2013, all rights reserved

Erinnerungen an Fredo



von Juan María Solare

Ich habe Fredo Burmester Ende 2001 kennengelernt, als ich Stipendiat der Künstlerhäuser Worpswede war. Anne Frechen hat uns bekannt gemacht und wir haben uns schon bald gut verstanden. Mehrmals war ich bei ihm, wir haben musiziert und vor allem mochte er es, mit mir die alte argentinische Tangomusik zu spielen.

In der Tat gaben wir wenige Monate danach ein Konzert "Hommage à Gardel" im Café Central in Worpswede am 15. März 2002. Bei diesem Konzert hat er Geige gespielt und einige Tango-Texte rezitiert. Dazu wurde getanzt: Irene Zimmermann und das Tanzpaar Enrico & Waldraut (aus Bremerhaven). Und ein kurzer Dokumentarfilm über Carlos Gardel wurde gezeigt. Das Programm beinhaltete Tangomusik von Gardel und andere Komponisten wie Astor Piazzolla oder Angel Villlodo (auch zwei Stücke von mir: Anochecer en Ushuaia und Pasaje Seaver, damals eine Uraufführung). Insgesamt haben wir an dem Abend zusammen etwa sieben Stücke gespielt.

Berit Böhme schrieb kurz danach einen Bericht über das Konzert für die Wümme-Zeitung: "Herzschmerz bei Kerzenschein", veröffentlicht am 19. März 2002 mit einem Originalfoto von Hans-Henning Hasselberg.

Übrigens hat Fredo damals großzügigerweise auf Honorare verzichtet und die ganzen Einnahmen unter den Künstlern verteilt.

Wenige Monate danach habe ich als Dankeschön und Freundschaftsgeste für Fredo ein ausdrucksvolles Stück für Geige und Klavier komponiert, "A fondo" (etwa "Gründlich") - der Titel spiegelt die Tatsache wider, dass Fredo sein Leben eben gründlich gelebt hatte. Dies Stück wurde zu einem meiner meistgespielten Werken. Eine Videoaufnahme vom Duo Tangente aus dem 9. Weltgipfel des Tangos in Seinäjoki (Finnland) 2011 ist online:
Fredo Burmester R.I.P.
Worpswede
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Fredo selber hat dieses Stück -"A fondo"- zwar mit mir geprobt aber nie öffentlich aufgeführt, allerdings ein paar Mal live gehört (z.B. als Viola Mönkemeyer und Ulrike Dehning es am 22. November 2009 im Gemeindesaal Alte Schule spielten).

Fünf Jahre nach jedem ersten Konzert im Café Central hatten wir zusammen noch einen Auftritt. Das war die Orgelmusik Nr. 121 im Gemeindehaus der Zionskirche in Worpswede am 2. September 2007. Das Programm beinhaltete nicht nur Tango Argentino, sondern auch moderne Klassik (Saint-Saëns, Wieniawski). Über dieses Konzert hat Verena Wambersky in der Wümme Zeitung vom 4. September 2007, Seite 4, den Aufsatz "Mit hohen Tönen zum Zenit" geschrieben. Das letzte Stück auf dem Programm war "Adiós Muchachos" (Leb wohl, Kumpel) von Carlos Gardel.

Gudrun Scabell schrieb einen Nachruf für Fredo Burmester (der Anfang März 2013 starb) mit dem Titel "Ein Leben zwischen Beruf und Berufung" (veröffentlicht im Weser Kurier vom 20. März 2013) und fragte mich in der Vorbereitungsphase: "Wie hast Du Fredo als Mensch und als Musiker empfunden und eingeschätzt?"

Der Mensch: als warmen, expansiven Menschen, manchmal impulsiv und nicht immer umsichtig, dafür aber immer bereit, Initiative zu greifen und Projekte durchzuführen und zu verwirklichen - so habe ich ihn als "Macher" erlebt. Und auch als großen Geschichten-Erzähler. Ich war zwar nicht immer sicher, ob er sich an die wirklichen Tatsachen erinnerte, oder eher an die Worte, die er verwendete, um sie zu erzählen - aber seine Geschichten waren inhaltlich immer spannend und dramaturgisch gut gelungen.

Der Musiker: Ein anspruchsvoller Musikliebhaber, der nicht bloß Töne spielte, sondern in jeder Note ein Stück des Lebens hinterließ.


[Juan María Solare, Worpswede, 16. März und 31. August 2013]